Die Treibhausgasemissionen aus der Materialgewinnung, der Herstellung von Bauprodukten, dem Bau und der Renovierung von Gebäuden werden auf 5-12 % der gesamten nationalen Treibhausgasemissionen geschätzt. Durch eine höhere Materialeffizienz könnten 80 % dieser Emissionen eingespart werden – so lautet die Einschätzung der EU im Circular Economy Plan vom März 2020. Die Diskussion in und mit der Bauwirtschaft um Modelle, Strategien und Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen hat seither an Fahrt aufgenommen – ein neues Verständnis vom Gebäude als Rohstoffquelle gewinnt an Kontur. Mit dem Roundtable will der GWD diesen Diskurs vorantreiben.

In der Auftaktveranstaltung am 13. Mai in Wuppertal, diskutierten die Teilnehmer:innen aus Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam mit Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, und Hanna Steinmüller MdB, Mitglied im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen im Deutschen Bundestag, u. a. folgende Fragen:

  • Wie wird aus dem „Triple-Zero-Prinzip“ (zero emissions, zero energy, zero waste) eine konkrete Perspektive für den Gebäudesektor?
  • Welche Instrumente benötigt eine nachhaltige Bauwirtschaft, und welche Erfahrungen gibt es mit bestehenden wie z.B. Urban Mining Index, Zirkularitätsrate oder Ressourcenpass? Welche Rolle spielen Materialdatenbank und Standardisierung?
  • Welche Eckpunkte muss ein den Erfordernissen angepasstes Geschäftsmodell berücksichtigen?
  • Und schließlich: Welche Rahmenbedingungen werden für eine planungssichere Umsetzung benötigt?

 

Teilnehmer:innen-Stimmen:

„Kommunen spielen bei der Kreislaufwirtschaft unter dem Aspekt Baustoffe eine zentrale Rolle. Zum einen, weil sie selbst als Bauherrinnen auftreten und hier einen wichtigen Beitrag zur Ausrichtung auf eine zirkuläre Wirtschaft leisten können. Zum andern, weil sie in den administrativen Ebenen diejenigen sind, die unmittelbar und praxisnah sowohl in der politischen Diskussion als auch in der gesellschaftlichen Akzeptanz durch vorbildliche Performance wirken können. Wir in Wuppertal haben zudem den besonderen Vorteil, mit „Circular Valley“ eine Initiative und einen Accelerator für die Zukunftsaufgabe Kreislaufwirtschaft zu haben.“
Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Oberbürgermeister Wuppertal, Bündnis 90/Die Grünen

„Mir ist als Wohnungspolitikerin wichtig, die ökologische und die soziale Perspektive im Wohnungsbau gleichermaßen mitzudenken. Steigende Baukosten führen auch zu steigenden Mietkosten und damit zu sozialen Problemen. Mit der Kreislaufwirtschaft im Gebäudebereich können wir gleich zwei Herausforderungen angehen: Ressourcen schonen und Kosten für Mieter*innen sparen.“
Hanna Steinmüller MdB, Bündnis 90/Die Grünen

„Wir müssen JETZT mit der Ressourcenwende im Bauwesen beginnen, indem wir Bauteile und Materialien aus der urbanen Mine wiederverwenden oder hochwertig verwerten. Hierfür müssen Regularien vereinfacht werden. Ein Re-Use könnte schon heute gefördert werden, in dem Gutachter für die Freigabe von gebrauchten Bauteilen aus öffentlichen Mitteln finanziert werden.“
Prof. Dr.-Ing. Architektin Anja Rosen, Honorarprofessorin für zirkuläres Bauen, Bergische Universität Wuppertal